Was beweisen die Wunder Jesu?
11.2.2007 21:17 Uhr

"Denn es werden falsche Christi und falsche Propheten aufstehen und werden große Zeichen und Wunder tun..." Matthäus 24:24

Wenn andere Leute die Dinge genauso gut machen können, dann beweisen Jesu Wunder bestenfalls, dass sie nichts beweisen.

Der griechische Philosoph Celsus lässt seriöse Juden in seinem Buch "Alethes Logos" über Jesus und dessen Zauberkünste um 178 u. Z. berichten: "Dieser Jesus habe aus Armut sich nach Ägypten als Tagelöhner verdungen und dort sich an einigen Zauberkräften versucht, auf die die Ägypter stolz seien; er sei dann zurückgekehrt und habe sich viel auf diese Kräfte eingebildet und sich ihretwegen öffentlich als Gott erklärt."

Wie Jesus arbeitete?
Gemäß Lukas 10:1 bestellte der Herr auch siebzig andere und sandte sie zu je zwei vor seinem Angesicht her in jede Stadt und jeden Ort, wohin er selbst kommen wollte. Weshalb verschweigen die 3 anderen Evangelisten diese Tatsache, dass Jesus mehr als 12 Anhänger hatte?

Weil sich jeder denken kann, wie leicht Wunder fabrizierbar sind, wenn man ca. 70 Leute inkognito hat. Wie schnell können da Lahme, Blinde, Kranke, ja Tote, unter die Massen gemischt werden, die nach der Frage: "Was ist einfacher, die Vergebung von Sünden vorzutäuschen oder Wunder zu vollbringen?" – plötzlich putzmunter, gesund und sogar von den Toten auferstehen, um sich auf zwei Füßen lustig fortzubewegen.

"Ich Jesus, sage dir, stehe auf und wandle..." - und schnell springt der gehorsame Jünger auf, als sei er neugeboren und von der Krankheit ist überhaupt nichts mehr zu spüren. Die staunende Masse weiß gar nicht, dass der Geheilte ein Mitglied seines Teams ist.

Viele Kleinhirne glauben an die Einbeziehung einer göttlichen Macht, wenn ihr Gehirn nicht ausreicht, herauszufinden, wie ein Magier seine Tricks arrangiert. Magie ist nur ein Spiel: Wer ist intelligenter, der Magier oder die Zuschauer? In fast allen Fällen ist es der Magier. Deshalb mag der Magier auch so gerne Magier sein.

Von Wundern lebt das Neue Testament und mit ihm das junge Christentum. Die Leute wollten was sehen und die Konkurrenz war groß. Jesus musste also seine Macht beweisen und zeigen, dass er über stärkere Potenzen verfügt als die anderen.

Ein typisches Exempel bietet die Frau mit dem zwölfjährigen Blutfluss. Der Evangelist berichtet unreflektiert vom Hörensagen eine Wunderheilung, die sich bei näherer Inspektion in gynäkologisches Wohlgefallen auflöst. "Kein Arzt konnte helfen!" – was für ein Elend spricht aus diesem Satz. Wir erfahren von der Patientin keinerlei Daten zur Person. Alter, Stand, Beruf, Wohnung, Kinder etc. sind für den Referenten unwichtig. Ihm genügt die Behauptung der Dame, sie sei ihren Blutfluss los, um daraus ein Zeugnis für Jesu pneumatische Potenz auch im Bereich des Uterus zu komponieren:

"Und da war ein Weib, das hatte den Blutgang zwölf Jahre gehabt und viel erlitten von vielen Ärzten und hatte all ihr Gut darob verzehrt, und half ihr nichts, sondern vielmehr ward es ärger mit ihr. Da die von Jesu hörte, kam sie im Volk von hintenzu und rührte sein Kleid an. Denn sie sprach: Wenn ich nur sein Kleid möchte anrühren, so würde ich gesund. Und alsbald vertrocknete der Brunnen ihres Bluts; und sie fühlte es am Leibe, daß sie von ihrer Plage war gesund geworden. Und Jesu fühlte alsbald an sich selbst die Kraft, die von ihm ausgegangen war, und wandte sich um zum Volk und sprach: Wer hat meine Kleider angerührt? Und die Jünger sprachen zu ihm; Du siehst, daß dich das Volk drängt, und sprichst: Wer hat mich angerührt? Und er sah sich um nach der, die das getan hatte. Das Weib aber fürchtete sich und zitterte (denn sie wußte, was an ihr geschehen war), kam und fiel vor ihm nieder und sagte ihm die ganze Wahrheit. Er sprach aber zu ihr: Meine Tochter, dein Glaube hat dich gesund gemacht; gehe hin mit Frieden und sei gesund von deiner Plage!" Mk. 5:25–34

Detaillieren wir die Implikationen des Reports, ergeben sich sofort Unstimmigkeiten:

1. Ist die Kranke durch ihr Leiden weder zu geschwächt, an den Veranstaltungen des Menschensohnes teilzunehmen, so dass...

2. ein massiver Blutverlust mit seinen Komplikationen über längere Zeit hin unwahrscheinlich ist.

3. Rechnet sie zu jenen mitteilsamen Persönlichkeiten, welche uns spontan in der Straßenbahn ihre diversen Gebrechen erzählen. Bei der Patientin im Evangelium handelt es sich aber außerdem um einen ziemlich rücksichtslosen Charakter denn gemäß mosaischer Gesetzgebung ist nicht nur sie unrein, sondern auch jeder, der sie berührt. Trotz Verbot begibt sie sich ins Gedränge, kontaminiert andere und fürchtet die Folgen ihres Frevels allein bei Jesus.

4. Woher will Markus wissen, dass die Betreffende tatsächlich ihr Leiden für immer verloren hatte? Es werden keinerlei katamnestische Erhebungen erwähnt. Ohne diese kann niemand eine Dauerheilung unterstellen.

5. Eine vorübergehende Besserung wäre aber kein Wunder, sondern Zufall oder psychosomatischer Effekt durch die bereits ventilierten Faktoren verursacht. Zudem ist ergreifend naiv die Annahme, eine Patientin könne nach zwölf Jahren vergeblichem Bemühen, von jetzt auf nachher, den 100% igen Behandlungserfolg aufgrund einer einzigen magischen Prozedur bei sich selber diagnostizieren. Keine Frau mit gesundem Menschenverstand würde sich nach so vielen Enttäuschungen dazu verstehen.

Fazit: An diesem Mirakelreport stimmt nichts. Er wurde von wundersüchtigen Seelen ersonnen, verbreitet und blindlings geglaubt. Seine triviale Kolportage geizt nicht mit Gags, wohl aber mit objektiven Details.

Im Neuen Testament sollen die Wunderheilungen das Volk von der pneumatischen Potenz des Nazareners überzeugen. Kraft und Macht sind Lieblingsvokabeln des Neuen Testamentes. Damit beherrscht JESUS die Dämonen, offensichtlich aber nur vorübergehend. Lk. 4:36 Denn keineswegs beeindruckt sein Exorzismus die Leute nachhaltig. Zwar melden die Evangelisten, das Publikum bebe vor Furcht und Entsetzen, wenn auf seinen Befehl Blinde sähen und Lahme gingen. Mk. 2:12 Lange dauert indessen diese Ergriffenheit kaum. Denn Jesus ist über das dürftige Echo bei seinen Landsleuten so wütend, dass er sie in Bausch und Bogen verflucht. Math. 11:23 Was einerseits kein schöner Zug von ihm ist, andererseits den geringen Respekt der Menge gegenüber seinen Darbietungen verrät. Man erachtet sie als billige Show mit faulen Tricks auf Kosten der Kranken. Darunter u. a. Epileptiker, die man ja damals für Besessene hält, von Jesus als spezielle Demonstrationsobjekte seiner gottgegebenen Macht benützt.

Seine therapeutische Technik können wir aus dem Lukasreport erschliessen: Indem er die bösen Geister bedroht, löst er einen generalisierten Krampfanfall mit Bewusstlosigkeit, Hinstürzen, Zuckungen von Armen und Beinen etc., von ein bis zwei Minuten Dauer aus. Kommt anschließend der Patient wieder zu sich, ist er benommen, ruhig und schwer besinnlich. Die bösen Geister sind vergessen und hat der Paroxysmus keine Verletzungen hinterlassen, kehrt gelassene Ruhe ein.

Unzweifelhaft wussten die ägyptischen Theurgen, bei denen Jesus gemäß dem Talmud in die Lehre gegangen war, über dieses Syndrom und seinen Ablauf Bescheid. Der Nazarener provoziert es durch verbale Aggression und wir können uns gut den Eindruck des pathologischen Dramas auf die Zuschauer vorstellen, welche darin Manifestationen des Teufels erblickten und die Stille nach dem Sturm für die Erlösung des Besessenen hielten. Lk. 4:35 und 9:42

Worin sie sich natürlich täuschten und zwar umso leichter, als bei vielen Kranken nach einer großen Entladung erst mal der Morbus sacer pausiert, bevor er die nächste Eruption startet. Das Intervall kann Wochen, ja Monate dauern und so die Heilung vorspiegeln.

Und so hatte der Nazarener mit seinen Tricks wenig Glück bei den Fallsüchtigen. Nicht einer von ihnen schließt sich ihm an und wird ein Jünger. Weil er nämlich keinen definitiv kurieren kann und sich just hier mit seinem Heiligen Geist blamiert, da alle rückfällig werden, was ihm die Pharisäer unter die Nase reiben. Seine Erwiderung soll gleichzeitig die therapeutischen Pannen erklären, entschuldigen und ihn rehabilitieren. Ihre pittoreske Weitschweifigkeit illustriert indessen sowohl seine Verlegenheit wie die Primitivität eines damals bereits überwundenen Animismus:

"Wenn der unsaubere Geist von dem Menschen ausgefahren ist, so durchwandert er dürre Stätten, sucht Ruhe und findet sie nicht. Da spricht er denn: Ich will wieder umkehren in mein Haus, daraus ich gegangen bin. Und wenn er kommt, so findet er's leer, gekehrt und geschmückt. Dann geht er hin und nimmt zu sich sieben andere Geister, die ärger sind als er selbst; und wenn sie hineinkommen, wohnen sie allda, und es wird mit demselben Menschen hernach ärger, als es zuvor war. So wird's auch diesem argen Geschlecht gehen." Math. 12:43-45

Dieses Gleichnis enthüllt die ganze Primitivität eines archaischen Bewusstseins in seiner wütenden Hilflosigkeit a ) den Krankheiten und b) der Kritik gegenüber. An Jesu Verteidigung lässt sich auch die wachsende Skepsis der Zeitgenossen ablesen. Man bezweifelt die angeblichen Wunder ganz allgemein. Kein Geheilter bricht eine Lanze für ihn, als er vor Pilatus steht.

Mit Sicherheit wird kein Wunder weder eine frische oder alte Lues ohne die gehörige Menge Penicillin trotz innigster Reue und fester Gelöbnisse heilen. Doch gleichwie: Unwürdig darf man sich dem Herrn nicht nähern und muss dazu einiges opfern, weil die Gnadenorte selten in der Nähe liegen. Und wenn sie's tun, sind sie noch seltener wirksam, alldieweilen die Leute in Lourdes, Altötting und anderswo sich keiner besseren Gesundheit als die übrige Menschheit erfreuen.

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